© Amadeu Antonio Stiftung

 

Was wollen wir

 
Aufmerksamkeit für das Thema schaffen - Öffentlichkeitsarbeit

 
Die Fachstelle setzt sich zum Ziel, den gegenwärtigen Rechtsextremismus aus einer Genderperspektive zu betrachten. Nach wie vor wird Rechtsextremismus häufig als ein „männliches Phänomen“ wahrgenommen. Mit solch einem verengten Blick geraten jedoch nicht nur rechtsextreme Frauen, ihre Strategien, Positionen und Handlungen aus dem Blick. Vielmehr bleiben verschiedene Handlungsmöglichkeiten in der Arbeit gegen Rechtsextremismus verschlossen, die sich mit einer geschlechterreflektierenden Perspektive durchaus ergeben. Geschlechterreflektierend heißt immer auch, Mädchen und Jungen konkret wahrzunehmen und zu fragen, inwiefern die Möglichkeit, in der rechten Szene ein "ganzer Kerl" sein zu dürfen oder sich als Straßenkämpferin auszuprobieren, Motive sein können, um in die Szene einzusteigen.
Bislang gibt es wenig gebündeltes Wissen darüber, welche Möglichkeiten ein reflektierter Blick auf Geschlecht auch in der zivilgesellschaftlichen und pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus eröffnen kann. Mit der Fachstelle will die Amadeu Antonio Stiftung diese Diskussion vorantreiben: im öffentlichen Bereich aber auch in zivilgesellschaftlichen Projekten und der Forschung. Gleichzeitig soll im Stiftungswesen sowie in staatlichen und länderspezifischen Förderprogrammen auf die Relevanz des Themas hingewiesen und auf neue Entwicklungen im Feld aufmerksam gemacht werden. Aktuell setzt die Amadeu Antonio Stiftung gemeinsam mit der Fachstelle im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ ein bundesweites Strukturprojekt zur gendersensiblen Präventionsarbeit gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und Rechtsextremismus um.
 
Neue Praxis auf den Weg bringen
 
Es gibt bislang nur wenige Praxisprojekte, die in ihrer Arbeit für eine demokratische Alltagskultur eine geschlechterreflektierende Perspektive einnehmen. Während es in der Jugendarbeit zumindest einige Ansätze gibt, geraten andere Bereiche – gerade in der generationenübergreifenden, zivilgesellschaftlichen Arbeit – bislang aus dem Blick. Das betrifft beispielsweise die Elternarbeit: Wie kann damit umgegangen werden, dass in vielen Bereichen nach wie vor Frauen diejenigen sind, die sich um Fragen der Erziehung und Bildung von Kindern kümmern? Dieses Phänomen zeigt sich u.a. in Unterstützungsangeboten für Eltern rechtsextremer Kinder, die fast ausschließlich von Müttern wahrgenommen werden.
Wir sehen in verschiedenen Bereichen den Bedarf, neue Praxisansätze zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen. Dies betrifft zum Beispiel die Fortbildung von Professionellen, die in verschiedenen Bereichen mit rechtsextremen Erscheinungsformen konfrontiert sind; PädagogInnen im frühkindlichen und schulischen Bereich, aber auch Fachkräfte aus dem Jugendamt oder dem Justizwesen. Eine Leerstelle gibt es auch in der Arbeit mit AussteigerInnen aus der rechten Szene. Hier fehlt es bislang an einer gendersensiblen Perspektive, die es beispielsweise Frauen mit mehreren Kindern erleichtert, aus der Szene auszusteigen.
Generell ist es wichtig, einen geschlechterdemokratischen Blick als Analysekategorie für die jeweilige berufliche Praxis zu entwickeln und zu fragen, wo bin ich Teil der dominanten Geschlechterkonstruktionen und wie werden bestehende Ungerechtigkeiten, Ausschlüsse hergestellt?
Auf diese Defizite in der Praxis will die Fachstelle reagieren, aufmerksam machen, neue Projektideen unterstützen und mit auf den Weg bringen.
 
Theorie-Praxis-Austausch
 
In der Wissenschaft lassen sich trotz umfangreicher Untersuchungen der letzten Jahre nach wie vor zahlreiche Leerstellen ausmachen. Es bedarf weiterer Forschungsergebnisse, um neue Praxis entwickeln zu können. Hier will die Fachstelle unterstützen, Dialog auf Augenhöhe zwischen PraktikerInnen und ForscherInnen anregen. Neben der Initiierung und Anregung neuer Forschung geht es um die gleichberechtigte Reflektion von Kenntnissen und Wahrnehmungen beider Seiten.
Ziel ist es zum Einen, die bereits entwickelten Praxisansätze zu diskutieren und bekannter zu machen; darüber hinaus sollen aber auch neue Wege gegangen und innovative Antworten für verschiedene Praxisbereiche entwickelt werden. Es soll eine Diskussion darüber entstehen, was unter genderreflektierender Rechtsextremismusprävention verstanden wird, wie ein Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis von statten gehen kann und welche Qualitätskriterien für die pädagogische Arbeit in diesem Feld anzulegen sind. Dies alles sind erste Schritte in Richtung der Entwicklung und Umsetzung neuer Ansätze der geschlechterreflektierenden Rechtsextremismusprävention. Hierzu hat die Fachstelle bereits beigetragen, indem sie gemeinsam mit dem Arbeitskreis "Geschlechterreflektierende Rechtsextremismusprävention" fachliche Standards für die Rechtsextremismusprävention entwickelt hat: Zum Positionspapier des Arbeitskeises