© Amadeu Antonio Stiftung

 

Was ist zu tun?


Angesichts der traditionellen Rollenvorstellungen in der rechten Szene erstaunt die weitgehende Leerstelle in der pädagogischen Praxis. Es ist dringend notwendig, geschlechterreflektierende Ansätze als Querschnitt in der pädagogischen Praxis allgemein und der Rechtsextremismusprävention im Besonderen zu implementieren. 

 

Theorie-Praxis-Austausch

Hierzu bedarf es eines Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis von PädagogInnen. Gleichzeitig ist es unabdingbar, die Wahrnehmungen von PraktikerInnen aus theoretischer Perspektive zu reflektieren. Beide Seiten können sich gegenseitig ergänzen und neue Fragestellungen formulieren.   
 

Entwicklung neuer Praxis

Ebenso ist die Entwicklung neuer Ansätze in der geschlechterreflektierenden Präventionsarbeit erforderlich, das betrifft sowohl die geschlechtsspezifischen als auch die koedukativen. Es liegen erste Erfahrungen von einzelnen Projekten vor, die multipliziert und weitergedacht werden können. Erfahrungen aus der Mädchenarbeit und der antisexistischen Jungenarbeit sollten aufgegriffen und zusammengedacht werden mit Erfahrungen aus der Rechtsextremismusprävention.

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis "Geschlechterreflektierende Rechtsextremismusprävention" hat die Fachstelle fachliche Standards für die Rechtsextremismusprävention entwickelt: Zum Positionspapier des Arbeitskeises

Fortbildungsangebote für MultiplikatorInnen

Bislang mangelt es an Fortbildungsangeboten für PädagogInnen und professionell Tätige im Bereich der Pädagogik im Allgemeinen und der Sozialen Arbeit im Besonderen: Um geschlechterreflektierend arbeiten zu können, bedarf es einer längerfristigen und praxisbegleitenden Auseinandersetzung, steten Reflexion und professionellen Beratung. Neben SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen und LehrerInnen sind es auch Beschäftigte von Jugendämtern und im Justizwesen, denen hier eine zentrale Rolle zukommt: Regelmäßige Fortbildungen zu aktuellen Erscheinungsformen des modernen Rechtsextremismus sind Voraussetzung für die Intervention bei rechtsextremen Orientierungen von Jugendlichen oder im Elternhaus.

Konkret gibt es Bedarfe hinsichtlich des Umgangs mit völkischen Familien in ländlichen Regionen. Das betrifft die:
 

  • Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit für das Thema und Aushandlungsprozesse über Handlungsstrategien
     
  • Fortbildungsangebote für PädagogInnen, die in Kindertagesstätten und Schulen mit Kindern arbeiten und mit Eltern in Kontakt kommen, die in rechtsetxremen Familien leben
     
  •  Fortbildungsangebote von Fachkräften der Sozialen Arbeit, die in Ämtern oder bei freien Trägern mit Menschen arbeiten, die sich der rechtsextremen Szene zugehörig fühlen
     

Geschlechtsspezifische Angebote für AussteigerInnen aus der rechten Szene

Einen weiteren, bislang weitgehend geschlechterblinden Bereich stellt die ausstiegsorientierte Arbeit mit Rechtsextremen dar; die entsprechenden Programme sind bislang kaum oder nicht geschlechtsspezifisch konzipiert. Dass es für Frauen und Männer unterschiedlich sein kann, aus der Szene auszusteigen, wird bislang kaum mitgedacht. Es zeigt sich aber, dass es einen besonderen Bedarf gibt, wenn beispielsweise eine Mutter mit mehreren Kindern aussteigen will oder aber eine Frau mit Erfahrungen sexualisierter Gewalt. Beim Ausstieg von Kindern sind Fragen zu bedenken im Umgang mit dem Sorge- und dem Umgangsrecht, wenn der Vater in der Szene verbleibt. Bedarfe zeigen sich hier hinsichtlich der Arbeit von RichterInnen, die in Scheidungsurteilen über das Umgangsrecht von Vätern entscheiden, die in der rechten Szene verbleiben sowie von SozialarbeiterInnen, die mit diesen Fällen betraut sind.