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Broschüre "Peggy war da! Gender und Social Media als Kitt rechts populistischer Bewegungen"

Die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus hat zusammen mit der Redaktion von Netz gegen Nazis (jetzt Belltower.news) eine Broschüre zu Genderaspekten bei Pegida und ähnlichen Bewegungen vorgelegt. Grundlage der Analysen sind Beobachtungen und Interviews, die wir im Jahr 2016 durchgeführt haben und welche sich im Dossier "Pegida quo vadis" finden. 

 

Von Brandstiftertouren zum Montagsspaziergang Neue rechte Mobilisierungsformen


Seit einigen Jahren erleben wir eine Ausdifferenzierung, Modernisierung und Erneuerung von Ausdrucksformen des Rechtsextremismus, mit denen dieser versucht, sich von seinen traditionellen Erscheinungsbildern abzusetzen. Häufig wird deshalb bereits vom »Neuen Rechtsextremismus« gesprochen, wobei sich das Neue vor allem auf das Image, das die Öffentlichkeit, Politik und Medien lange von den Rechtsextremen hatten, bezieht. Das mobilisierende Narrativ ist dabei dennoch nur eine Variation des klassischen Rassismus und Antisemitismus: Früher waren es »Ausländer raus«-Rufe, heute wird vor der kulturellen »Überfremdung«, dem »Rassenkrieg« und dem Untergang des christlichen Abendlandes gewarnt oder der Schutz vor sexualisierter Gewalt an Frauen und Töchtern bemüht. Auf die Verschränkung dieser Bilder und die Projektion auf das vermeintlich Fremde sind wir bereits in der Veröffentlichung »Das Bild des übergriffigen Fremden – wenn mit Lügen über sexualisierte Gewalt Hass geschürt wird« eingegangen.
Exemplarisch für die Modernisierung rechter Aktionsformen steht Pegida. Mit ihren Demonstrationen wurde das rechtspopulistische Element einer Entwicklung sichtbar, die unmittelbar an die traditionellen rechtsextremen Mobilisierungen anschloß: Bereits seit 2012 führte die NPD beispielsweise »Brandstiftertouren« durch. Die ab 2014 stattfindenden Pegida-Demonstrationen in Dresden sind nur vor dem Hintergrund der Neonazi-Demonstrationen gegen den »Alliierten Bombenterror« zu verstehen, die über viele Jahre ungehindert mit breiter Bürger_innen-Beteiligung stattfinden konnten. Zusätzlich zu Pegida in Sachsen gab es jedoch auch deutschlandweit rassistische und rechtsextreme Mobilisierungen in einem lange nicht gekannten Umfang, der allenfalls an die 1990er Jahre erinnert. Neben den Gida-Adaptionen in anderen Regionen war dies beispielsweise das HooliganProjekt HoGeSa, die in Kleinstädten präsente sogenannte »Wir sind Deutschland«-Bewegung oder die flüchtlingsfeindliche Initiative »Lebendige Grenze«.
Auch wenn die Pegida-Demonstrantionen selbst ihren Höhepunkt längst überschritten haben, ist mit dem Rechtspopulismus ein neues Element des Rechtsextremismus auf den Plan getreten, das es so bis jetzt – im Unterschied auch zu anderen europäischen Ländern – in Deutschland nicht gegeben hat. Mit seinen Verbindungen zur Neuen Rechten und ideologischen Gemeinsamkeiten ins Parteienspektrum hinein verfügt er zugleich über eine vergleichsweise höhere Legitimation, große Reichweite und eine strategische Option. Vor diesem Hintergrund wollen wir mit der vorliegenden Publikation versuchen, uns aus zivilgesellschaftlicher Perspektive dem Phänomen Pegida und dessen »Erbe« zu nähern, indem wir es besonders über die Kategorie Geschlecht und die Präsenz in den Sozialen Netzwerken analysieren und aus Forschungsergebnissen, Diskussionen und Interviews mit unseren bundesweiten Kooperationspartnern Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit entwickeln.

(Timo Reinfrank)
 

Inhalt
Von Brandstiftertouren zum Montagsspaziergang. Neue rechte Mobilisierungsformen 2
1. »Peggy war da!« Eine Einleitung 3
2. Was ist Pegida? 6
3. »Ohne eine eigene Haltung Dinge zu diskutieren wird nichts verbessern« 8
4. We are family? Pegida – ein bundesweiter Überblick 11
5. Von der »Homolobby«, »Umvolkung« und »Gendertanten«.  
    Im Netz der antifeministischen, homofeindlichen und rassistischen Matrix 21
6. Was bedeutet die Genderperspektive für Prävention und Gegenaktionen? 34
7. Kam Pegida aus dem Internet? 37
8. Politik und Pegida: Umarmung, Verharmlosung, Verunsicherung – und weiter? 42
9. Pegida, die Medien und die Mechanismen des Rechtspopulismus 44
Nachwort  46
Literatur, Quellen und weiterführende Informationen 48

 

Zum Download der gesamten Broschüre geht es hier (PDF-Dokument, 1 MB)