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Forschung


In der Zusammenschau – und besonders im Vergleich zum ausdifferenzierten Fachdiskurs über Weiblichkeiten im Rechtsextremismus – lässt sich resümieren, dass es bislang nur sehr wenig Wissen darüber gibt, was rechtsextreme Szenen für Jungen und Männer attraktiv werden lässt.
 

 

 

  • Was sind Einstiegsgründe?
     
  • Welche Funktionen übernehmen rechtsextreme Orientierungen für Jungen und Männer und damit verbundene Versprechen von Männlichkeit, wie Überlegenheit in einer rassistischen, sexistischen Ideologie?
     
  • Welche Rolle spielen Gewalterfahrungen, die Männer in der rechten Szene als Täter aber auch als Opfer machen sowie die Option, innerhalb rechter Gruppierungen Gewalt als weitgehend legitim ausagieren zu können?
     
  • Inwiefern ist den familienbiografischen Erzählungen oder dem Fehlen einer innerfamilialen Thematisierung über die Zeit des Nationalsozialismus Bedeutung zu bescheinigen?

 
Nur vereinzelt standen bislang rechtsextreme Geschlechterverhältnisse im Fokus von Untersuchungen. Abseits von Selbst- und Fremdverortungen rechter Frauen in der Szene bedarf es genauerer Erkenntnisse darüber, wie sich das Verhältnis der Geschlechter gestaltet; welche Spielräume zur Aushandlung den Einzelnen dabei zukommen oder gerade nicht zur Verfügung stehen.
 

Trotz einer Vielzahl an empirischen Untersuchungen der letzten Jahre, fehlt es weiterhin an einer systematischen Aufarbeitung derer unter geschlechtsspezifischen Kriterien und zum Zwecke der Vergleichbarkeit. Es bedarf hierfür einer Auswertung bereits erhobener Daten und auf dieser Grundlage der Ergänzung durch weitere, noch zu erstellende Studien.
 
Einzelne Arbeiten zur Funktion rechtsextremer Orientierungen für heranwachsende Männer und Frauen liegen mittlerweile vor; und doch muss auch der pädagogische Blick noch weitgehend ohne empirisch abgesicherte Erkenntnisse auskommen. Hier ist die Pädagogik zunächst als Wissenschaft gefragt, empirische Erkenntnisse aus den Sozialwissenschaften durch eigene Erhebungen zu ergänzen und vor dem Hintergrund von sich ausdifferenzierenden rechten Lebenswelten in ihrer Bedeutung zu diskutieren. Die Fachstelle will hier unterstützend tätig sein: neben allgemeinen Überlegungen und ersten Antworten soll auf weitere Forschungsbedarfe hingewiesen werden. Denn letztlich können entsprechende Forschungsergebnisse können Überlegungen in Richtung der Entwicklung von Praxisansätzen initiieren, die bislang nur marginal vorliegen.