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Was ist Rechtsextremismusprävention?


Arbeit für eine demokratische Alltagskultur geht alle an

Oft wird Rechtsextremismus als Jugendproblem verhandelt. Das zeigt sich, wenn beispielsweise PolitikerInnen in Reaktion auf einen rechtsextremen Übergriff ausschließlich auf die Verantwortung von Schule und Jugendarbeit verweisen. Dass es sich hierbei jedoch um eine verkürzende Sicht handelt und menschenfeindliche Einstellungen in älteren Generationen ebenso und durchaus in höherem Maße verbreitet sind, zeigen Untersuchungen der Einstellungsforschung. Rechtsextremismus läßt sich nicht auf das Jugendalter und ebenso wenig an einen extremen Rand projizieren, er zeigt sich generationen- und milieuübergreifend gleichermaßen. Insofern geht die Arbeit gegen modernen Rechtsextremismus alle Mitglieder der Gesellschaft an. Die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stellt nur einen Zugang dar; Strategien gegen Rechtsextremismus müssen vielmehr generationenübergreifend, auf zivilgesellschaftlicher Ebene und in verschiedenen Milieus ansetzen. Das Engagement für eine demokratische Alltagskultur ist zu allererst Aufgabe der verschiedenen Akteure der Zivilgesellschaft. Nicht zuletzt ist es aber auch Aufgabe des je Einzelnen, sich für demokratische Strukturen und ein gleichwertiges Miteinander einzusetzen.
Programme, die auf Bundes- und Landesebene zum Thema Rechtsextremismus aufgelegt werden, nehmen daher seit mehreren Jahren die Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen, von Institutionen und Kommunen in den Blick.

 Pädagogisches Handeln 

Auch wenn sich der ausschließliche Bezug auf die Pädagogik problematisieren lässt, ist dieser Bereich ein sehr wichtiger und unabdingbarer. Kindern und Jugendlichen wird hier die Möglichkeit gegeben, sich mit Vorstellungen von Demokratie auseinanderzusetzen und auszuprobieren, wie sie sich für ein gleichwertiges Miteinander einsetzen können. Nicht nur im Kindheits- und Jugendalter, - aber eben auch -, entwickeln Menschen ihre politischen Einstellungen und Bilder. Hier gilt es im Sinne einer Demokratiepädagogik anzusetzen und Lern- und Bildungsprozesse zu ermöglichen.
 
Prävention und Intervention

Für den Bereich der Pädagogik wird zwischen präventiven und intervenierenden Ansätzen unterschieden. Rechtsextremismusprävention wird begrifflich unterteilt in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Unter primärer Prävention versteht man das Verhindern problematischer Handlungsweisen bereits im Vorfeld. Handlungsfelder dieser Präventionsansätze sind u.a. in Ansätzen der Diversity-Pädagogik, in Konzepten der Demokratiepädagogik; der außerschulischen nichtrassistischen Bildungsarbeit und der offenen Jugendarbeit zu finden. Mit sekundärer Prävention sind Ansätze gemeint, die eine Verstärkung bereits bestehender problematischer Einstellungen und Handlungsweisen zu verhindern sucht, beispielhaft lassen sich hier jugendpädagogische Ansätze in der Arbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen anführen. Tertiäre Prävention reagiert auf bereits manifeste Handlungen und bezieht sich auf den Bereich der Rehabilitation, in der Praxis finden sich hierzu Ansätze in der Jugend- und Einzelfallarbeit oder in Angeboten in Einrichtungen des Justizvollzuges.
 
In Abgrenzung hierzu lässt sich der Bereich der Intervention als reagierend beschreiben. Hier geht es um Handlungsansätze im pädagogischen Umgang mit rechtsextrem gefährdeten oder orientierten Jugendlichen. Beispiele der Interventionsarbeit finden sich u.a. in der ausstiegsorientierten Arbeit mit rechtsextrem Orientierten, beispielsweise in der Jugend- und Einzelfallarbeit, der aufsuchenden Arbeit oder in Angeboten in Einrichtungen des Justizvollzuges.
 
Leerstelle geschlechterreflektierender Ansätze

Betrachtet man die hier vorgestellten Bereiche der Rechtsextremismusprävention, so lässt sich sowohl für den Bereich der zivilgesellschaftlichen Projektarbeit als auch für das pädagogische Handeln ein Bedarf an geschlechterreflektierenden Ansätzen konstatieren. Hierauf soll im Folgenden dezidierter eingegangen werden.