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Männlichkeiten im Rechtsextremismus

Der Blick von Forschung und Praxis fiel zunächst auf Frauen als das im hegemonialen Bild des Rechtsextremismus abweichende Geschlecht. Eine männlichkeitskritische Perspektive blieb in der Forschung damit lange Zeit außen vor. Erste umfassende Untersuchungen zu Zusammenhängen von modernem Rechtsextremismus und Männlichkeitskonstruktionen lassen sich demnach erst auf die vergangenen Jahre datieren. Das ist auch insofern erstaunlich, da Rechtsextremismus bis heute weitläufig als vorwiegend von Männern getragen wahrgenommen wird.

Traditionelle Bilder von Männlichkeit
 

Männlichkeit lässt sich im Rechtsextremismus auch heute als weitgehend traditionalistisch beschreiben. Im Vordergrund stehen Eigenschaften soldatischer Männlichkeit wie Stärke und Kampf- bzw. Gewaltbereitschaft. Dies wird ergänzt um die Orientierung an vermeintlich männlichen Pflichten für ‚Arbeit, Familie, Vaterland’. Der Dreiklang findet nicht nur in rechtsextremen Kreisen Zustimmung und verweist auf zentrale Werte traditioneller Männlichkeit.

Feindbild Homosexualität
 
Zentrale Bestandteile eines rechtsextremen Weltbildes sind Rassismus und Antisemitismus, Homophobie und Sexismus. (Männliche) Homosexualität wird szeneintern zumeist im Sinne eines Feindbildes diskutiert und als Abweichung von der Norm der heterosexuellen Familie markiert. Nach Außen hin findet in Abgrenzung dazu eine weitgehende Tabuisierung von Sexualität und mann-männlichem Begehren statt.

Eine Auseinandersetzung mit der Vorstellung vom „richtigen Mann“ innerhalb rechter Gruppierungen und männlicher Homosexualität ermöglicht die Dokumentation von Rosa von Praunheim „Männer, Helden, schwule Nazis“ (D/2005). Sie ist geeignet für die Bildungsarbeit und für eine Diskussion darüber, inwiefern traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit mit bestimmten Konstruktionen des schwulen Mannes, die in der rechten Szene vorherrschen, kompatibel sind. (Vergleiche hierzu: Claus, Robert/ Müller, Yves: Männliche Homosexualität und Homophobie im Neonazismus, in: Claus, Robert/ Lehnert, Esther/ Müller, Yves: Was ein rechter Mann ist, Berlin 2010.) 

Unterschiedliche Männlichkeiten
 

Dennoch lässt sich das Männlichkeitsbild in der extremen Rechten bei weitem nicht als homogen beschreiben: So finden sich unterschiedliche Ausprägungen bürgerlicher bis proletarischer Männlichkeiten im Spektrum zwischen gewaltbereitem Neonazismus und biederer Neuer Rechter. Zu verweisen ist hier auf neuere Untersuchungen, die in Anlehnung an das Konzept hegemonialer Männlichkeit von Connell, die unterschiedlichen Ausprägungen innerhalb rechter Gruppierungen untersuchen.
Ausgewählte Literatur zum Thema "Männlichkeiten im Rechtsextremismus" findet sich hier