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Was ist Gender?


Im universitären Bereich hat sich seit dem Ende der 1980er Jahre im deutschsprachigen Raum mit dem Begriff Gender eine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen, gesellschaftlich-kulturell geprägten Geschlecht (gender) etabliert. Als Weiterentwicklung der Frauenforschung halten mit den Gender Studies Untersuchungen zur Konstruktion von Geschlecht, zur Funktion von Geschlechterrollen und der sozialen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern Einzug auch in die (pädagogische) Ausbildung. Gender wird von Seiten der Fachstelle grundsätzlich immer auch im Sinne eines intersektionalen Zugangs verstanden, mit dem andere Formen der Ausgrenzung wie z.B. Rassismus, Antisemitismus, Ethnisierung und soziale Ungleichheit in den Blick geraten.
Männlichkeiten und Weiblichkeiten werden nicht länger als deterministische Konstante betrachtet, sondern auf ihren sozialen Konstruktionscharakter hin untersucht. Dies schlägt sich in vielfacher Weise in der Praxis von PädagogInnen nieder: So werden mit einer geschlechterreflektierende Perspektive die Zuschreibung stereotyper Geschlechterrollen im Alltag wahrgenommen und infrage gestellt. Es geht darum, Menschen mit ihren individuellen Orientierungen ernst zu nehmen, in deren Entfaltung zu unterstützen und nicht in Vorgaben darüber zu pressen, wie ein „richtiges Mädchen, richtige Frau“ oder ein „richtiger Junge, richtiger Mann“ auszusehen oder sich zu verhalten haben.

 
 

Celle 09.12.2006 © Recherche Nord

 

Was ist Rechtsextremismus?


Der Begriff des ‚Rechtsextremismus’ fungiert als Sammelbegriff für die Gesamtheit verschiedener rechtsgerichteter Einstellungen und Erscheinungsformen und dient somit gleichsam als Bezeichnung für den gewaltförmig auftretenden Neonazismus wie die sich bieder gebende Neue Rechte. Eine allgemeingültige Definition des Begriffs steht bislang noch aus. Analytisch wird in der Wissenschaft unterschieden zwischen der Einstellungs- und der Verhaltensebene: rechtsextreme Einstellungen führen nicht automatisch zur Wahl einer rechtsextremen Partei und finden sich in allen gesellschaftlichen Milieus wieder. Andererseits liegt nicht jeder rassistischen Gewalttat ein geschlossen rechtsextremes Weltbild der TäterInnen zu Grunde.
 

Für die geschlechterreflektierende Analyse des Rechtsextremismus bietet sich eine sozialwissenschaftliche Definition an, die der Vielfältigkeit der Einstellungsmuster und ideologischen Versatzstücke gerecht zu werden sucht. Hierfür benennen Claus et al (2010: 12, in Anlehnung an Stöss, 2005) Nationalismus, Ethnozentrismus, Rassismus, Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus, Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, Chauvinismus, Sexismus, Homophobie und Transphobie als zentrale Ideologieelemente des modernen Rechtsextremismus. Für die pädagogische Wissenschaft und Praxis ermöglicht ein derart ausdifferenzierter Rechtsextremismusbegriff einen verstehenden Zugang und die präventive Arbeit mit dem Individuum in Bezug auf Versatzstücke rechtsextremer Ideologien.
 
Aus verfassungsrechtlicher Sicht dagegen definiert sich das Feld des Rechtsextremismus über das Verhältnis seiner AkteurInnen zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dem zu Grunde liegt ein Modell einer demokratischen gesellschaftlichen ‚Mitte’ und ihren extremen bzw. ‚extremistischen’ Rändern an der linken und rechten Seite. Ein solches Modell impliziert nicht nur die aus demokratietheoretischer Sicht problematische Gleichsetzung der linken und rechten Ränder jenes Gesellschaftsmodells. Gleichsam suggeriert es, dass sich rassistische, antisemitische, nationalistische oder sexistische Positionen lediglich an den Rändern der Gesellschaft wiederfinden und dort zum Problem werden. Das Gegenteil ist der Fall: Eine Vielzahl an differenzierten Einstellungsuntersuchungen der letzten Jahre zeigt, dass Ideologien der Ungleichheit von Menschen nicht nur gleichsam unter allen Geschlechtern, sondern zugleich in allen politischen und gesellschaftlichen Milieus zu finden sind. Gerade die Anschlussfähigkeiten extrem rechter Geschlechterdiskurse an Geschlechterrollenmodelle in der ‚Mitte’ der Gesellschaft illustrieren dies anschaulich.