Ausstellungseröffnung „Rechtsextreme Frauen in der DDR der 1980er Jahre im Blick von MfS und Polizei“

Besprechungen und Artikel zur Ausstellung „Rechtsextreme Frauen in der DDR der 1980er Jahre im Blick von MfS und Polizei“

Friedliebend oder geistig-primitiv? Ausstellung über rechtsextreme Frauen in der DDR (Nikta Vahid, Mitteldeutsche Zeitung, 18.01.17)


Rechtsextreme Frauen in der DDR – „Angeblich friedliebend“ (Johanna Kleinschrot, Ze.tt, 20.01.17)

Die Historikerin und Kuratorin Henrike Voigtländer im Interview, u.a. dazu, wie Geschlechterrollen die Aufklärung rechter Verbrechen bis heute verhindern.

 

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Die Ausstellung „Rechtsextreme Frauen in der DDR der 1980er Jahre im Blick von MfS und Polizei“ wird am 1. Dezember 2016 um 19 Uhr in den Räume der Amadeu Antonio Stiftung, Novalisstraße 12, eröffnet.

Nach einer Begrüßung durch Dr. Sabine Kuder (Bundesstiftung Aufarbeitung) sowie Anetta Kahane werden Dr. Heike Radvan und Henrike Voigtländer als Kuratorin in Thema und Hintergründe der Ausstellung einführen.

Flyer (PDF-Dokument, 97.6 KB)


Ab dem 2. Dezember 2016 wird die Ausstellung gezeigt im Jugend[widerstands]museum Berlin, Galiläakirche, Rigaer Straße 9, 10247 Berlin.

Frauen werden mit ihren politischen Meinungen und Handlungen oft übersehen und unterschätzt – in Geschichte und Gegenwart. Dies verstärkt sich, wenn es um rechtsextreme Frauen geht. Seit dem politischen Umbruch 1989/90 ermordeten Neonazis über 180 Menschen in Deutschland. Frauen waren Unterstützerinnen, Mitwisserinnen und Täterinnen rechtsextremer Gewalt. Dennoch gelten sie weiterhin häufig als „friedliebend“ und „unpolitisch“, was den Neonazigruppen ein harmloses Image verleiht. Dies hatte im Falle der rechtsterroristischen Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“ fatale Folgen: Polizei und Verfassungsschutz scheiterten, da sie neben rassistischen Bildern auch von Geschlechter-Stereotypen geleitet waren.

Die Ausstellung beleuchtet am Beispiel der DDR, ob es sich bei dieser verzerrten Wahrnehmung um ein neues Phänomen handelt oder ob es historische Kontinuitäten gibt. Während es für die Bundesrepublik Deutschland erste Forschung hierzu gibt, lässt sich dies für die DDR als Leerstelle beschreiben. Vier Fallgeschichten nähern sich der Fragestellung exemplarisch: So verteilt Hilde K. Ende der 1980er Jahre DDR-kritische Schriften in ihrem Wohnort und schmiert Hakenkreuze im Stadtpark. Das MfS bezeichnet sie als „geistig primitiv“ und empfiehlt, sie für zehn Monate Freiheitsentzug zu verurteilen. Die Schülerin Nicole M. beschallt ihr Dorf mit Reden von Adolf Hitler, beleidigt Jugendliche rassistisch und erntet dafür von Pädagog_innen Erstaunen: Eigentlich sei Nicole M. ein tüchtiges, „frauenhaftes“ Mädchen, ja sogar stellvertretende FDJ-Sekretärin.

Wie nahmen MfS und Polizei Mädchen und Frauen wahr, die sich rechtsextrem äußerten und betätigten? Wie intervenierten sie? Die Ausstellung  der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung widmet sich einer Forschungslücke und zeigt Recherchen aus der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), die erstmals zu sehen sind.

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie der Dreilinden gGmbH.

Wichtiger Hinweis: Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören oder der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, werden von der Veranstaltung ausgeschlossen. Die Veranstaltenden werden
ihnen den Zutritt zur Veranstaltung verwehren oder sie während der Veranstaltung von dieser ausschließen.